Ist doch ein geiler Verein

Reisen in die Fußballprovinz

Christoph Ruf, 2008, Verlag Die Werkstatt
http://www.amazon.de/%2522Ist-geiler-Verein%2522-Reisen-Fußballprovinz/dp/3895335967/

In Zeiten in denen der SC Paderborn, die SpVgg Greuther Fürth oder Eintracht Braunschweig in die Bundesliga aufsteigen und die TSG Hoffenheim und der FC Augsburg quasi schon zum Inventar gehören, sollte man eigentlich denken, dass die Provinz in der Bundesliga angekommen ist und dass die Tore zur höchsten deutschen Spielklasse so durchlässig sind, wie nie zuvor.
Gerade deshalb ist es interessant Christoph Ruf’s Buch zu lesen, welches geschrieben wurde, als gerade die dritte Liga eingeführt wurde, die es für kleinere Klubs angeblich unmöglich machen sollte, in der Zukunft den Profifussball zu erreichen. 22 Klubs hat er besucht, die damals in der dritten bis siebten Liga spielten und alle mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben, aber alle eine treue Fangemeinschaft anziehen, mal größer, mal kleiner, die nicht in die Standardschemen der Marketingspezialisten passt und sich lieber Dorffußball, statt Bundesliga live anschaut.
Die Vorraussetzungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Südwesten der Republik sind es echte Dorfklubs, die es bis vor die Tore des Profifußballs geschafft habe, unterstützt, vom wohlhabenden Mittelstand vor Ort, der es sich leisten kann, den ortsansässigen Verein großzügig zu unterstützen. Aber natürlich fehlt jegliche Fanbasis, die meist nicht weiter als in die umliegenden Dörfer reicht, da überregional die ortsansäßigen Bundesligisten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Im Osten hingegen sind es meist die Vereine von Großstädten, wie Dresden, Leipzig oder Halle, die in den unteren Ligen herumdümpeln. Fans sind meist genügend vorhanden, sogar mehr als sicherheitstechnisch bewältigt werden können, aber es fehlt an Unterstützung von der Wirtschaft. Die internationalen Großkonzerne, die hier ansäßig sind, interessieren sich nicht für lokalen Sport und die Mittelständler haben nicht die Mittel, um sich ein teures Hobby, wie Fußball zu leisten.
Im Westen der Republik gibt es selbst in den unterklassigen Ligen zahlreiche Vereine mit langer Tradition, doch hier fehlt am Ende beides, Geld und Fans. Da das Ruhrgebiet und sein Umland reichlich mit Erst- und Zweitligisten gesegnet ist, fällt es schwer, die Fans mit einem Viert- oder Fünftligaspiel anzulocken. Desinteresse scheint deshalb hier das größte Problem zu sein.
Wen man Ruf’s Geschichten liest, stellt man schnell fest, dass es unmöglich ist, alle diese verschiedenen Gegebenheiten unter einen Hut bringen und ein “gerechtes” Ligensystem erschaffen. Der Dorfverein aus Baden-Württemberg möchte am liebsten nur in der Umgebung spielen, sein 5000 Mann-Stadion nicht erweitern, aber trotzdem von sich sagen, in der dritten Liga zu spielen. Die Traditionsvereine aus den Großstädten im Osten und Westen möchten natürlich eine attraktive Liga, die interessant für die Fans ist, ohne dass sie auf’s Land fahren müssen und die Zweitvertretungen der Profivereine wollen natürlich so hochklassig wie möglich spielen, um ihre Spieler besser ausbilden zu können.
Alles in allem kann man aber mittlerweile sagen, dass die 3. Liga gelungen ist. Die Vereine, die nach oben wollen, sind unter sich. Die Mehrzahl der Vereine sind ehemalige Erst- und Zweitligisten, die auch das Potential haben, in der Bundesliga mitzuspielen, während die Regionalligen wieder ihren Namen verdienen und in einer Region verankert sind, so dass sie für die Zuschauer attraktiv bleiben.
Ruf’s Buch zeigt aber auch schön, dass das Ligensystem in Deutschland funktioniert und nicht starr ist. Was heute Hoffenheim, Augsburg, Paderborn oder Fürth ist, waren früher Bayer Uerdingen, Waldhof Mannheim, TeBe Berlin oder Fortuna Köln, Exoten in den obersten Ligen, hochgespült durch das Schicksal und wieder untergegangen, um anderen Platz zu machen, die denselben Weg nehmen werden.
Am Ende des Buches bleibt einem eigentlich nur noch eines zu tun. Nämlich das nächste Wochenende einfach mal beim Lokalverein in der Nähe vorbei zu schauen, sich mit einem Bier und einer Bratwurst am Spielfeldrand neben die Rentner zu stellen und davon zu träumen, dass dieser Verein einmal groß herauskommt und man sagen kann, man ist von Anfang an dabei gewesen.

Biographie: 0/3
Geschichte: 2/3
Hintergrund: 2/3
Taktik & Spielphilosophie: 0/3

Next book: The Damned United (Oct 27th)

Advertisements

One thought on “Ist doch ein geiler Verein

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s